Was Ethanol im Kraftstoff
mit Vergasern macht.
E10 enthält bis zu 10 Prozent Ethanol. Für moderne Einspritzermotoren kein Problem. Für Vergaser-Motorräder — besonders nach Standzeiten — ein Faktor, den viele unterschätzen.
Seit 2011 ist E10 an deutschen Tankstellen als Standardkraftstoff erhältlich. Der Ethanol-Anteil von bis zu 10 Volumenprozent senkt CO₂-Emissionen und ist aus Sicht der Fahrzeugindustrie für alle Fahrzeuge ab Baujahr 2000 freigegeben. Für ältere Motorräder mit Vergaser gilt das nicht pauschal.
Das Problem ist nicht das Fahren mit E10 — das Problem entsteht, wenn der Kraftstoff im Vergaser steht. Ethanol ist hygroskopisch: es zieht Feuchtigkeit aus der Luft. Im Vergaser, der bei Temperaturschwankungen atmet, sammelt sich Feuchtigkeit im Kraftstoff. Wenn das Motorrad steht und der Kraftstoff verdunstet, bleibt eine konzentrierte Mischung aus Harzen, Ethanol-Rückständen und Wasser zurück.
Wie schnell verharzt E10? Unter normalen Bedingungen beginnt Kraftstoff mit Ethanol-Anteil nach 4–8 Wochen Standzeit zu oxidieren. Bei Temperaturschwankungen — typisch für Garagen im Frühjahr und Herbst — beschleunigt sich dieser Prozess. Nach einem Winter kann eine vollständige Verharzung eingetreten sein.
Was Ethanol konkret angreift
Ethanol löst bestimmte Materialien — das ist in der Chemie bekannt und wurde beim Design älterer Vergaser nicht berücksichtigt, weil es damals noch kein Ethanol im Kraftstoff gab.
Standzeit — das größte Risiko
Ein Motorrad, das regelmäßig gefahren wird, hat kaum ein Ethanol-Problem. Der Kraftstoff erneuert sich ständig, Ablagerungen können sich nicht festsetzen, Gummiteile sind nie vollständig trocken.
Das Problem entsteht durch Standzeit. Über den Winter, nach einem Defekt, oder wenn das Motorrad einfach eine Weile nicht gebraucht wird. Wer im Herbst abstellt und im Frühjahr wieder anfangen will, ist mit einem Vergaser konfrontiert, der einen Winter lang mit ethanolhaltigem Kraftstoff und Feuchtigkeit zusammen stand.
Besonders kritisch: Benzin im Öl nach Standzeit. Ein defektes Schwimmernadelventil — durch Verharzung oder Ethanol-Schäden an der Gummispitze — lässt Kraftstoff kontinuierlich in den Vergaser laufen. Über die Ansaugseite gelangt er in den Zylinder, am Kolben vorbei ins Motoröl. Das Motoröl verliert seine Schmiereigenschaften. Folgeschäden an Lagern, Nockenwelle und Zylinder entstehen. Mehr dazu: Benzin im Öl — Ursachen und Sofortmaßnahmen.
E10 oder Super — was tanken?
Super Plus (E5) enthält maximal 5 Prozent Ethanol und ist für ältere Vergaser-Motorräder die sicherere Wahl. Alkylat-Kraftstoff enthält kein Ethanol und ist ideal für Motorräder mit langen Standzeiten — teurer, aber lagerstabil.
Wer E10 tankt und regelmäßig fährt, hat in der Regel keine Probleme. Wer E10 tankt und das Motorrad danach länger abstellt — sollte zumindest den Tank so weit wie möglich füllen (weniger Luft = weniger Kondensation) oder den Kraftstoffhahn schließen und den Vergaser leerlaufen lassen.
Was nach der Winterpause zu prüfen ist
- Kraftstoff im Tank. Alter Kraftstoff ablassen — frischen tanken. Bei längerem Stand: Tank auf Rost und Ablagerungen prüfen.
- Kraftstoffschläuche. Auf Risse, Quellungen und Weichheit prüfen. Im Zweifel tauschen — neue FKM-Schläuche sind ethanol-beständig.
- Kraftstoffhahn-Filter. Kleiner Filter im Hahn verklumpt oft nach Standzeit. Reinigen oder tauschen.
- Vergaser-Funktion. Wenn der Motor nach dem Winter unrund läuft, schlecht anspringt oder der Vergaser tropft: Vergaser reinigen lassen.
- Motoröl. Geruch nach Kraftstoff? Dann Benzin-im-Öl-Diagnose durchführen, bevor der Motor weiter betrieben wird.
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Vergaser nach der Winterpause prüfen lassen.
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